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Allergisch gegen Penicillin – oder doch nicht?

Viele Patienten mit allergischen Reaktionen vermuten Penicillin als Ursache. Doch diese Annahme ist in den allermeisten Fällen falsch.

Vor der Gabe von Penicillin muss der Arzt zuerst ausschließen, dass der Patient eine Penicillinallergie hat. Auf die Frage, ob es in der Vergangenheit schon einmal zu einer allergischen Reaktion auf das Antibiotikum gekommen ist, antworten in den USA mittlerweile im Schnitt zehn Prozent aller Patienten mit ‚Ja‘. Tatsächlich trifft diese Annahme gerade einmal auf fünf Prozent dieser Patienten zu, worauf eine Publikation im Journal of the American Medical Association aus dem Januar 2019 hinweist. Bei allergologischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass bei 95 Prozent dieser Patienten keine Penicillin-Allergie vorliegt.

Diese Fehleinschätzung führt zu einem sehr ernsten Problem, da aufgrund dieser Falschannahme häufig andere, weniger effektive Antibiotika (bei denen darüber hinaus unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können und die Bildung von Resistenzen verstärkt werden kann) verabreicht werden als die hochwirksamen Beta-Laktam-Antibiotika, zu denen die Penicilline gehören, die sich zudem als gut verträglich heraus gestellt haben. Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektologie weisen außerdem darauf hin, dass sogar bei einer tatsächlich vorliegenden Allergie gegebenenfalls der Umstieg auf ein anderes Präparat aus dieser Antibiotika-Gruppe möglich sei. Stattdessen würde beim Verdacht auf eine Allergie die Gruppe der Penicilline zu häufig grundsätzlich ausgeschlossen.